Wie sauber ist eine professionell gereinigte Bustoilette tatsächlich? Wo befinden sich die hygienisch kritischen Flächen einer Bustoilette?
Ein Praxistest bei einem grossen Reiseveranstalter in der Schweiz zeigt auf, warum eine Hygienevalidierung über die vermeintlich offensichtlichen Kontaktflächen hinausgehen sollte und welchen Zusatznutzen der Einsatz einer automatisierten Desinfektion erreichen kann.
Vorgehen
Bustoiletten sind kleine, intensiv genutzte Räume mit zahlreichen Kontaktflächen. Auch wenn sie regelmässig professionell gereinigt werden, stellt sich eine wichtige Frage: Stimmen die Flächen, auf die sich Reinigung und Hygienekontrolle konzentrieren, tatsächlich mit den Bereichen überein, an denen die höchste mikrobielle Belastung auftritt?
Ein Praxistest in der Bustoilette eines Reisebusses ging dieser Frage nach. Gleichzeitig wurde untersucht, welche Veränderung sich beobachten lässt, wenn die bestehende professionelle Reinigung durch eine automatisierte Spectral Blue Blaulichtdesinfektion ergänzt wird.
Bewusst wurde während des gesamten Tests dieselbe Bustoilette untersucht. Dadurch liessen sich Unterschiede zwischen verschiedenen Fahrzeugen, Bauweisen und Reinigungsabläufen vermeiden und die beiden Testphasen unter möglichst vergleichbaren Praxisbedingungen betrachten. Da die Wirkung des Blaulichts von der Einwirkdauer beziehungsweise der eingebrachten Lichtdosis abhängt, wurde die Entwicklung über einen längeren Zeitraum beobachtet.
Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick
- Insgesamt wurden 108 Abklatschproben an sechs definierten Oberflächen genommen.
- 72 Proben dienten der Bestandsaufnahme nach der regulären professionellen Reinigung.
- 36 weitere Proben wurden nach zusätzlicher Blaulichtdesinfektion genommen.
- Die Kontamination war nicht gleichmässig über die untersuchten Flächen verteilt.
- Besonders auffällige Werte traten am vorderen Rand des Waschbeckens und der Ablage neben dem Waschbecken auf.
- Nach der zusätzlichen Blaulichtdesinfektion lag der mittlere KBE-Wert über alle Probenstellen 60,8 % unter dem Wert der Bestandsaufnahme.
- Fünf der sechs untersuchten Probenstellen zeigten in der Nachher-Phase niedrigere Mittelwerte.
- Keine der 36 Nachher-Proben wurde als „Verbesserungsbedarf“ oder „unzureichende Hygiene“ bewertet.
Ausgangslage
Die untersuchte Bustoilette wurde nach den Einsätzen regelmässig professionell gereinigt. Ziel des Praxistests war nicht, die grundsätzliche Qualität dieser Reinigung infrage zu stellen. Vielmehr sollte überprüft werden, wie sich die verbleibende mikrobielle Oberflächenbelastung unter realen Betriebsbedingungen verteilt.
Im Mittelpunkt stand dabei eine praktische Frage: Sind die Flächen, die üblicherweise als besonders kritisch wahrgenommen werden, tatsächlich immer diejenigen mit den auffälligsten Messwerten?
Testaufbau
Die Proben wurden an sechs vorab festgelegten Stellen genommen:
- WC-Deckel
- vorderer Rand des Waschbeckens
- Ablage rechts neben dem Waschbecken
- Spülknopf
- Druckknopf des Seifenspenders
- Fläche unter der WC-Rolle
In der ersten Phase wurden an jeder Probenstelle zwölf Abklatschproben nach der regulären Reinigung genommen. Damit standen 72 Proben für die Bestandsaufnahme zur Verfügung.
In der zweiten Phase wurde die bestehende Reinigung durch eine automatisierte Spectral Blue Blaulichtdesinfektion ergänzt. Anschliessend wurden an jeder Probenstelle sechs weitere Abklatschproben genommen, insgesamt 36 Nachher-Proben.
Die Proben wurden bei Raumtemperatur inkubiert und anhand des sichtbaren mikrobiellen Wachstums ausgewertet.
Überraschende Verteilung der Kontamination
Die Bestandsaufnahme zeigte insgesamt ein gutes Hygieneniveau mit einzelnen auffälligen Ergebnissen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich die mikrobielle Belastung nicht gleichmässig auf die untersuchten Oberflächen verteilte.
Zu den Flächen mit den höchsten mittleren Count-Werten gehörten:
- der vordere Rand des Waschbeckens,
- die Ablage rechts neben dem Waschbecken,
- der WC-Deckel.
Damit traten auffällige Werte nicht ausschliesslich an Flächen auf, die intuitiv als besonders kritisch eingeschätzt werden. Gerade die Ablage neben dem Waschbecken kann in der täglichen Hygienepraxis leicht weniger Aufmerksamkeit erhalten als der WC-Bereich oder die Spültaste.
Der Test macht deshalb deutlich, wie wichtig es ist, die Auswahl von Kontroll- und Reinigungspunkten anhand tatsächlicher Messungen zu überprüfen.
Ergebnisse nach zusätzlicher Blaulichtdesinfektion
Nach der Ergänzung der manuellen Reinigung durch die automatisierte Blaulichtdesinfektion zeigte sich über die untersuchten Probenstellen hinweg ein niedrigeres Belastungsniveau.
Mittlere KBE pro Abklatschplatte- an sechs Probenstellen nach regulärer Reinigung und nach zusätzlicher Blaulichtdesinfektion. Die Werte zeigen einen deskriptiven Vergleich zweier Messphasen und keinen kontrollierten Wirksamkeitsnachweis.
Der mittlere KBE Wert pro Abklatschplatte lag in der Nachher-Phase bei 10,28 gegenüber 26,25 während der Bestandsaufnahme. Dies entspricht einem deskriptiv um 60,8 % niedrigeren Mittelwert.
Bei fünf der sechs untersuchten Probenstellen wurden niedrigere Mittelwerte beobachtet. Besonders deutlich war der Unterschied am Spülknopf sowie am vorderen Rand des Waschbeckens.
Auch die qualitative Bewertung veränderte sich:
- Vor der zusätzlichen Blaulichtdesinfektion wurden zehn von 72 Proben als „Verbesserungsbedarf“ oder „unzureichende Hygiene“ eingestuft.
- Nach der zusätzlichen Behandlung fiel keine der 36 Proben mehr in eine dieser beiden Kategorien.
- 21 der 36 Nachher-Proben wurden als „gut gereinigt“ bewertet.
Am Seifenspender zeigte sich kein vergleichbarer Rückgang des Mittelwerts. Die Probenahmen waren dort aufgrund der sehr kleinen Fläche des Druckknopfs schwieriger als an den übrigen Stellen. Dieses Ergebnis unterstreicht gleichzeitig, wie wichtig eine möglichst standardisierte Probenahme für die Bewertung von Hygienedaten ist.
Was lässt sich aus dem Praxistest ableiten?
Der Test liefert zwei wichtige praktische Erkenntnisse.
Hygieneplan
Ein Hygieneplan sollte sich nicht ausschliesslich auf Flächen konzentrieren, die erfahrungsgemäss oder intuitiv als kritisch angesehen werden. Auch Ablagen und Bereiche rund um das Waschbecken können auffällige Belastungen aufweisen. Regelmässige Kontrollen helfen dabei, den tatsächlichen Reinigungsbedarf zu erkennen und bestehende Abläufe gezielt anzupassen.
Zusatznutzen Spectral Blue
Die beobachteten Unterschiede sprechen für einen Zusatznutzen der automatisierten Blaulichtdesinfektion. Sie kann die manuelle Reinigung ergänzen und eine zusätzliche, reproduzierbare Desinfektionsstufe schaffen.
Die Technologie ersetzt jedoch nicht die grundlegende Reinigung. Organische Rückstände und sichtbare Verschmutzungen müssen weiterhin mechanisch entfernt werden. Automatisierte Desinfektion ist deshalb als ergänzender Bestandteil eines umfassenden Hygienekonzepts zu verstehen.
Fazit
Der Praxistest zeigt, dass sichtbare Sauberkeit und die tatsächliche Verteilung mikrobieller Belastungen nicht immer übereinstimmen. Auffällige Werte wurden auch an Flächen festgestellt, die im Vergleich zum WC-Bereich möglicherweise weniger stark im Fokus stehen.
Nach der Ergänzung der regulären Reinigung durch Spectral Blue lag das gemessene Belastungsniveau insgesamt um rund 60% niedriger. Die Ergebnisse liefern damit einen praxisbezogenen Hinweis darauf, dass automatisierte Blaulichtdesinfektion bestehende Hygienemassnahmen sinnvoll ergänzen kann.
Der Fokus auf eine einzelne Bustoilette war Teil des gewählten Testaufbaus und ermöglichte einen Vergleich im selben Anwendungsumfeld. Die Ergebnisse gelten zunächst für diese konkrete Praxissituation und sind nicht als allgemeingültiger wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis zu verstehen.
Gleichzeitig handelt es sich um einen Praxistest in einer einzelnen Bustoilette und nicht um eine kontrollierte wissenschaftliche Studie. Unterschiedliche Probenzahlen, nicht immer exakt identische Probenflächen und variierende Aktivierungszeiten begrenzen die Vergleichbarkeit. Die Ergebnisse sollten deshalb als praktische Beobachtung und nicht als allgemeingültiger Wirksamkeitsnachweis verstanden werden.
Verwendetes Gerät im Test: Spectral Blue Oslo.
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